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Konfirmationspredigt 2018

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Konfirmation 2018 

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Gottesdienst der Konfirmandinnen und Konfirmanden zum Thema "Träume"

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Predigt zu Mk. 9,24               (So. 11. März 2018; Pfr. Paul Wassmer)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.

Gott segne Reden und Hören. Amen.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden
Liebe Fest-Gemeinde

Heute ist es so weit - der Tag der Konfirmation. Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, habt euch lange auf diesen Tag vorbereitet. Ein Dreivierteljahr habt ihr im Konfirmandenunterricht miteinander darüber nachgedacht, was es heißt, an Gott zu glauben. Ihr habt versucht herauszufinden, was wir Menschen über Gott wissen können und habt dabei festgestellt, dass dieses Wissen nur den kleinsten Teil des Glaubens ausmacht. Viel mehr hat der Glaube mit unseren Gefühlen zu tun, ob wir Menschen vertrauen oder auch, ob wir einander lieben oder hassen. Und nicht zuletzt hat unser Glaube etwas damit zu tun, was wir tun. Ob wir auf andere Menschen herabsehen, andere mobben oder quälen - oder ob wir in den anderen Menschen ein Ebenbild Gottes sehen und uns darum für sie einsetzen und auch dann nicht zur Gewalt greifen, wenn sie uns entgegenschlägt. Das alles ist ein Teil unseres Glaubens.
 Und doch beschreiben diese Worte unseren Glauben immer nur zu einem Teil. Denn, ehrlich gesagt, das mit dem Glauben ist nicht so ganz einfach - nicht so einfach auf jeden Fall, wie wir uns das als Kind meist vorgestellt haben. Und doch ist der Glaube etwas ganz Zentrales für jeden Menschen. Denn nur, wenn wir an etwas glauben, haben wir auf Dauer auch die Kraft zum Leben. Und haben wir nichts mehr, an das wir glauben können, dann sterben wir.

Darum möchte ich heute an eurer Konfirmation mit euch zusammen über den Glauben nachdenken. Auch weil ihr heute selbst "Ja" sagt zu eurem Glauben und damit zu dem, was euch leben lässt.

Wir hören dazu auf einen Vers aus dem Markusevangelium. Dort wird erzählt, wie ein Mann zu Jesus kommt. Er sucht Hilfe. Sein Sohn ist krank. Nach unseren heutigen medizinischen Kenntnissen zeigt der Sohn alle Symptome einer epileptischen Erkrankung: Er wälzt sich immer wieder auf dem Boden, er hat Schaum vor dem Mund, er ist nicht mehr ansprechbar. Die Menschen damals konnten diese Symptome nicht so recht einordnen und so machten sie ihnen Angst. Ein böser Geist, so sagten sie, hätte den Jungen befallen. Hoffnungslos sei es darum und nicht möglich, etwas dagegen zu tun. Doch Jesus widerspricht: "Alle Dinge sind möglich ....", sagt er und macht dem Vater Hoffnung. Und der Vater antwortet: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben" (Mk. 9,24)

                                   "Ich glaube; hilf meinem Unglauben."

Scheinbar paradox klingt diese Antwort. So sind sie eben, die Erwachsenen, mögt ihr, die Konfirmandinnen und Konfirmanden denken. Sie reden so schön, vom Vorbild sein, vom immer alles richtig machen. Aber wenn es darauf ankommt, sind sie auch nicht besser, als all´ die anderen. Nicht Fisch noch Fleisch, schwammig eben.

                                  "Ich glaube; hilf meinem Unglauben."    

Mir gefällt diese Antwort, so gegensätzlich sie auch klingen mag. Weil sie von einem Konflikt erzählt, in dem sich der Mann befindet. Er ringt um seinen Glauben. Er will ja glauben. Und ja, er hofft und vertraut. Doch gleichzeitig hat er auch Angst und ist mutlos. Beides ist da. Das ist nicht unbedingt das, was man sich für das eigene Leben wünscht. Es ist nicht so perfekt und schön, wie in unseren Träumen. Aber so ist das Leben. Und manchmal auch der Glaube. Aber eben darum gefällt mir dieser Mann. Ja, er ist mit seinem Glauben für mich sogar eine Art von Vorbild, auch wenn sein Glaube nicht perfekt ist.

Denn - ehrlich gesagt - auch ich bin nicht perfekt. Darum würde ein perfekter Glaube zu mir auch gar nicht passen. Genauso wenig wie ein Glaube, der so tut, als wäre alles immer ganz einfach. Denn so ist mein Leben auch nicht. So ist für mich der Glaube kein Allheilmittel gegen jeden Seelenschmerz. Und auch keine Patentlösung für alle Probleme des Lebens, als ob sich mit dem richtigen Glauben jedes Problem sofort in Luft auflösen würde. Nein. So ist das nicht. Dafür aber wagt sich mein Glaube mitten in mein Leben hinein, auch wenn er dabei schmutzig wird. Wenn er befleckt wird mit Ängsten und Zweifeln. Doch er geht darin nicht unter. Nein, er kämpft sich immer wieder daraus hervor. Auch das ist meine Erfahrung. Mein Glaube kämpft sich mit mir durch, hin zu der Hoffnung. Hin zu dem Vertrauen. Hin zu der Liebe.

                                   "Ich glaube, hilf meinem Unglauben."

Der Vater in der Geschichte in der Bibel bleibt mit diesen Worten ganz bei sich, bei seiner Wahrheit. Er lügt den anderen nichts vor, er redet nicht von einem Glauben, den er nicht hat. Aber er redet sich seinen Glauben auch nicht selbst aus, nur weil er Zweifel hat. Er bleibt sich auch da treu. Und folgt so der Spur der Hoffnung, die er in sich gefunden hat. Da ist etwas, an das ich glaube, sagt er. Etwas, das mich dazu gebracht hat, die Hoffnung nicht aufzugeben und das mich hierher geführt hat. Dazu steht er. In all´ seiner Gebrochenheit.

Ich finde, es ist ein starker Glaube, den der Mann an dieser Stelle zeigt. Und eben einen solchen Glauben wünsche ich auch euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden. Einen Glauben, der sich mitten in euer Leben hineinwagt. Einem Leben, in dem sich manche eurer Träume erfüllen können, in dem sich aber auch manche Alpträume breit machen können.

In eurem Gottesdienst vor zwei Wochen habt ihr uns einen der Alpträume gezeigt, die euch in eurem Leben begegnen. Da hat sich die Welt, an einem ganz normalen Schultag plötzlich gewandelt. Es fing ganz leise an, wie in vielen Träumen, mit ein paar Mitschülerinnen und Mitschüler, die ihr nicht kanntet. Doch dann, mit dem Pausengong, war die Welt plötzlich mit lauter Zombies erfüllt, die hinter einem her rannten und einen auffressen wollten.

Dieser Alptraum ist für mich ein Bild, wie brüchig unsere moderne Welt ist. Zwar schenkt sie vielen hier in Deutschland einen bis jetzt noch nie da gewesenen Lebensstandard und scheinbar fast unendlich viele Möglichkeiten, doch unter ihrer Oberfläche brodelt es. Wir alle kennen die Bilder vom Krieg in Syrien, gar nicht so weit von uns entfernt, wir spüren noch immer die Erschütterungen der Finanzkrise von 2008 oder sehen das Gespenst eines möglichen Klimawandels vor uns. Kein Wunder, dass da leicht das Gefühl aufkommen kann, dass unsere Welt gar nicht so sicher ist, wie sie immer tut. Ja, dass jederzeit etwas geschehen kann, das alles verändert, von einem Tag, auf den anderen. So wie in eurem Alptraum.

Doch wie kann man bestehen, in so einer unsicheren Welt? Indem man sich möglichst anstrengt? Möglichst perfekt ist?

In eurem Gottesdienst zum Thema Träume habt ihr gezeigt, dass dieser Wunsch perfekt sein zu wollen, selbst zu einem Teil des Alptraums wird, der auf Dauer unser Leben kaputt macht.

Trotzdem lebt unsere moderne Welt nach diesem Traum. Es reicht in ihr scheinbar nicht mehr aus, nur gut zu sein. Nein. Das Beste oder nichts, so heißt es in der Werbung. Und so zählt nur, was perfekt ist. Und was muss da nicht alles perfekt sein? Der Urlaub, das Aussehen, die Noten, das Auto, der Freund oder die Freundin. Aber wer kann das schon leisten? Niemand. So frisst dieses "Perfekt-sein-zu-wollen" einen auf, mit Haut und Haaren.

Als wir bei unseren Vorbereitungen für euren Gottesdienst über diesen Traum sprachen, möglichst perfekt sein zu wollen - und dem Druck, der von diesem Traum ausgeht - hatte ich das Gefühl, dass ihr hellwach wart. Auch ihr kennt diesen Traum. Auch ihr spürt den Druck. Wie auch das Unvermögen, ihn zu erfüllen.

Doch was hilft uns, damit wir unter diesem Druck nicht zermalmt werden? Was brauchen wir, um dieser Gesellschaft, die so tut, als wäre es völlig normal, perfekt zu sein, etwas entgegenzusetzen, das gnädiger ist, menschenfreundlicher und das mehr zu uns und unserem Leben passt?

Es braucht Glauben, behaupte ich. Es braucht etwas, das in uns wohnt und auf das wir so fest vertrauen, dass es stärker ist als all´ die Stimmen um uns herum, die uns einflüstern, wir seien nur etwas wert, wenn wir auch etwas leisten und wenn diese Leistung auch möglichst perfekt ist. Es braucht Glauben. Es braucht vielleicht nicht viel. Es reicht auch nur ein wenig. Aber dieses Wenige braucht es. Damit wir unser Leben darauf bauen können.

                              "Ich glaube, hilf meinem Unglauben."

So zeigt sich unser Glaube, hier und heute. Er zeigt sich nicht darin, dass er möglichst perfekt ist. Er zeigt sich auch nicht immer unbedingt in dem, was wir mit lauter Stimme sagen, sondern in dem, worauf wir im tiefsten Herzen vertrauen. Dass wir geliebt sind, so wie wir sind. Mit allen unseren Ecken und Kanten. So dass wir uns nicht verbiegen müssen, uns nicht an alles anpassen müssen, nicht über jedes Stöckchen springen müssen, das uns jemand anderer hinhält, um diese Liebe zu bekommen. Weil wir sie schon längst in uns tragen. Und wir tief in unserem Herzen wissen, dass da jemand ist, der zu uns "Ja" sagt.

Gott ist es, der zu euch "Ja" sagt. Er hat es euch bei eurer Taufe zugesagt. Und er sagt es euch heute wieder, bei eurer Konfirmation. Er sagt "Ja" zu euch - mitten in die Selbstzweifeln und Ängste hinein, in die vielen Vielleicht´s und Nein´s eures Lebens. Er sagt "Ja". Unverbrüchlich. Fest. Weil er euch liebt. Und an euch glaubt. Lange bevor ihr  irgendetwas dafür getan habt. Oder tun müsstet.

Alle unsere Ja´s, alle unsere Liebe, unser Vertrauen, unser Glauben, ist nur ein Echo dieses großen Ja´s, das von Gott her kommt. So wie alles Leben hier auf der Erde nur ein Echo der Wärme ist, die von der Sonne her auf die Erde strahlt.

Dabei bekräftigt Gott heute in der Konfirmation dieses "Ja" durch seinen Segen.

Er stärkt euch in und mit und durch seinem Segen zu einem Leben, das zum Glück nicht perfekt sein muss, sondern in dem es völlig ausreicht, gut zu sein. Und gut ist euer Leben überall dort, wo ihr geliebt werdet und selber liebt.

Er schenkt euch Kraft zu einem Glauben, der sich mitten in euer Leben hineinwagt, der dabei zwar auch von Ängsten und Zweifel berührt wird, der euch aber immer wieder sicher zur Hoffnung zurück führt.

Und er gibt euch Kraft zu einem Leben, in dem ihr euch nicht immer beweisen müsst, sondern in dem ihr in euch ruht - und in Gott, der die Liebe ist und euch seine Liebe schenkt.

Zu einem solchen Leben segne und behüte euch der gute Gott. Und wenn ihr doch einmal an eure Grenzen kommt, dann haltet euch an eurem Konfirmandenspruch fest - den ihr heute bekommt - und lasst euren Glauben daraus neue Kraft schöpfen. Denn jeder Glaube, groß oder klein, schwach oder stark, kommt aus dem Hören auf Gottes Wort. Darum hört darauf, damit ihr lebt. Jetzt und in Ewigkeit. Amen.