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Gottesdienst zum Reformationsfest 2017

(500 Jahre Reformation; OASE-Team und Pfr. Paul Wassmer)

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Lutherrose

 

Zum 500. Jahrestag der Reformation lud das OASE-Team am Sonntag, den 29. Oktober 2017 zu einem Gottesdienst ein. Er stand unter dem Titel: "Was ist eigentlich evangelisch?". In der Mitte des Gottesdienstraumes war eine Lutherrose zu sehen.

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Was ist evangelisch?     

Eingangsmusik
Begrüßung: (Pfr. Paul Wassmer / Altar)    

     Gratia et pax vobiscum!
     Iubeo vos salvere toto ex corde ad hanc missam
     die Dominico ante festum Reformationis.
     In hac missa vobis in memoriam revocamus
     reformationem ante quingentos annos peractam.

(Peter Raup geht nach vorne zum Pult und unterbricht:)

Moment, Moment, so geht das nicht. Das ist ja alles auf Latein. Das versteht doch keiner.
Mit ihrer Erlaubnis (Nicken zum Pfarrer) übernehme ich an dieser Stelle.

(Geht vom Lesepult zum Altar und spricht von dort aus)

Herzlich willkommen zu diesem Gottesdienst heute am Sonntag vor dem Reformationsfest. Wir erinnern in diesem Gottesdienst an die Reformation vor 500 Jahren, der wir unter anderem zu verdanken haben, dass wir unsere Gottesdienste nicht auf Latein, sondern in unserer eigenen Sprache feiern können.
 Der Gottesdienst steht unter der Überschrift: „Was ist eigentlich evangelisch?" und wurde vom OASE-Team vorbereitet. In vier Stationen laden wir sie zu einer Reise zu den Wurzeln unseres Glaubens ein. In der fünften Station sind dann Sie gefragt, was es für Sie heißt, evangelisch zu sein.
 Lassen Sie uns nun mit einem Lied beginnen, das über viele Jahrhunderte zu dem evangelischen Lied schlechthin geworden ist. Sie finden es unter der Nummer 362 in ihrem Gesangbuch: Ein feste Burg ist unser Gott

Begruessung

Lied:     EG 362, 1-3 Ein feste Burg ist unser Gott

Moderation

 

Moderation (Sigrid Frederiksen, Lesepult)

Was ist eigentlich evangelisch?  

Dieser Frage nachzugehen laden wir Sie heute in diesem Gottesdienst zum 500. Jubiläum der Reformation herzlich ein. Wir möchten uns dabei mit Ihnen auf eine Entdeckungsreise zu den Wurzeln unseres evangelischen Glaubens begeben, um so herauszufinden, was unseren Glauben von innen her trägt. Und wie bei jeder Reise tut es gut, am Anfang mit einem Gebet zu beginnen:                      .

    (Eingangsgebet; Pfr. Paul Wassmer, vom Altar aus)

    Barmherziger Gott
    Wer sind wir?
    Fragend stehen wir vor dir
    und wissen, wie so oft, keine Antwort.

    Barmherziger Gott
    Wer bist du?
    Auch auf diese Frage wissen wir oft nicht weiter.
    Wir glauben manchmal etwas von dir zu wissen
    und halten uns an einzelnen Worten der Bibel fest,
    doch gleichzeitig entziehst du dich uns auch immer wieder
 
        So kommen wir zu dir, Gott,
        und wir bitten dich:
 
    Lass uns nicht allein mit uns selbst,
    sondern komme zu uns, mit deiner Kraft.

    Mit deiner Kraft des Gnade,
    die Martin Luther aus seinen Ängsten befreit hat.

    Mit deiner Kraft der Wahrheit,
    die ihn dazu ermutigt hat, die Lügen seiner Zeit aufzudecken.

    Mit deiner Kraft der Liebe
    die es Martin Luther ermöglicht hat,
    mit seiner Frau Katharina trotz der Hürden,
    die auf ihrem gemeinsame Leben lagen,
    zusammen glücklich zu werden.

    Komme so auch zu uns
    und verwandle unser Leben.
    Darum bitten wir dich,
    Vater, Sohn und Heiliger Geist.

    Gemeinde:     Amen.
     

Moderation (Sigrid Frederiksen, Lesepult)

Was ist eigentlich evangelisch?
Hören wir doch am Besten auf die, die damals mit dabei waren:

Auftritt Martin Luther (Peter Raupp)

Martin Luther
Gestatten, Martin Luther ist mein Name. Mit mir fing damals alles an. Ich kenne mich also aus!
Dabei muss ich Ihnen sagen, dass ich damals eigentlich gar keine neue Kirche gründen wollte. Ich wollte lediglich ein paar Missstände beseitigen. Die Sache mit dem Ablass, Sie wissen schon.
 Aber das hat nicht geklappt. Die Verantwortlichen legten mir alle möglichen Steine in den Weg. Trotzdem gab ich nicht auf, selbst als der Papst sich einmischte. Bis es irgendwann für mich zu spät war und ich nicht mehr zurück konnte. Aber da wollte ich auch nicht mehr zurück. Und so wie mir, ging es auch vielen anderen. Auch sie wollten nicht mehr zurück. So entstand damals die evangelische Kirche.
 Aber was ist denn nun evangelisch?, mögen Sie fragen.
Meine Antwort lautet:
Es ist die Rückbesinnung auf die Bibel. Evangelisch zu sein, heißt, sich in seinen Glaubens- und Lebensfragen von der Bibel her leiten zu lassen. Und von der Liebe Gottes, die in der Bibel an vielen Stellen sichtbar wird.
 
Auftritt Ulrich Zwingli: (Reiner Haug)

Luther und Zwingli
Moment, Moment. Nicht so schnell. Darf ich mich vorstellen? Ulrich  Zwingli ist mein Name. Auch ich bin ein Reformator. Allerdings in der Schweiz. Dort habe ich unabhängig von dir, lieber Martin, eine eigene Reformation durchgeführt. Und daraus ist die evangelische Kirche in der Schweiz entstanden.

Martin Luther:      Ja. Noch eine eigene Kirche.
                            Und das nur, weil wir uns in einem Punkt nicht einig werden konnten:
                            der Frage des Abendmahls.

Ja, aber nur, weil du in deinem Herzen noch immer ein katholischer Mönch geblieben bist. Viel zu viel erinnert in einem lutherischen Gottesdienst noch an die katholische Messe. Wir in der Schweiz sind da weiter gegangen. Genauso beim Abendmahl.

Martin Luther:    Aber das kann man so nun doch wirklich nicht behaupten.
                          Schließlich habe ich den ganzen Hokus Pokus bei der Wandlung
                          doch komplett abgeschafft. 

Moment, du bist zu schnell. Das verstehen die Leute heute ja gar nicht mehr. Lass es mich erklären: der katholische Priester sagte im Mittelalter bei der Wandlung auf Latein: „Hoc est corpus meum". Übersetzt: Das ist mein Leib. Nur: das verstand damals keiner, und so kam es den Leuten wie Zauberei vor. Wie Hokus pokus eben.

Martin Luther:    Genau.
                          Weil aber von einer solchen Wandlung in der Bibel nichts zu finden ist,
                          habe ich sie ersatzlos gestrichen.
                          Von daher weiß ich gar nicht, was du hast.

Nun. Du sagst aber noch immer, dass im Abendmahl „in - mit - und unter Brot und Wein" Gott selbst vorhanden ist! Dabei heißt es doch in der Bibel: Jesus sagt: „Das tut zu meinem Gedächtnis!". Also feiern wir das Abendmahl in Erinnerung an das letzte Mahl. Mehr nicht. Aber das willst du alter Mönch ja nicht begreifen.

Martin Luther:    In der Bibel heißt es aber auch:
                          Jesus sagte: „Das ist mein Leib."
                         „Das ist!", sagte er.
                         Nicht: „Das erinnert".
                         Wer von uns beiden hält sich also nicht an die Bibel?

Gitarrenspiel    (Abgang der beiden)

Auftritt (zwei Personen von heute treten auf (Monika Schneider, Heidi Haug)):

Das Gespraech
Also hier wird ja ganz schön kräftig gestritten! War das damals immer so?

       Nun, wenn jemand die ganze Welt aus den Angeln hebt und versucht,
       sie neu zu verankern, kann es manchmal schon laut werden.

Aber doch nicht so! Da wünscht man sich ja fast den Papst zurück!

      Nur, damit es keinen Streit mehr gibt?

Ja.

      Dabei macht doch gerade diese Auseinandersetzung
      die evangelische Kirche aus!
      Hier darf jeder seine eigene Meinung sagen.

Und was ist mit dem Papst?

     Bei den Evangelischen gibt es keinen Papst mehr.
     Jeder hat das Recht in der Bibel zu lesen und zu sagen,
     was er oder sie für richtig hält.

Aber wenn man sich dann gegenseitig mit den Argumenten erschlägt?

    Mit Argumenten blind um sich zu schlagen,
    hat noch nie weiter geholfen.
    In solchen Momenten ist es besser, still zu werden und zu hören.
    Auf die Argumente der anderen.
    Und auf die Stimme Gottes in uns.
    Um dann in Liebe gemeinsam in Gottes Geist eine Entscheidung zu fällen.

Das braucht aber ganz schön viel Einsicht und Verstand.

    Das braucht es immer.
    Aber besser, man kann gemeinsam offen um diese Einsicht ringen,
    als dass einer allein entscheidet, wo es in der Kirche lang geht.

Moderatorin (Sigrid Frederiksen, Lesepult):    

Ob das immer gut geht? Wir bitten Gott: Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

Lied:     EG 662, 1-4    Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut
    
Moderatorin (Sigrid Frederiksen, Lesepult)

Was ist evangelisch? Für Martin Luther und Ulrich Zwingli hieß das, aus den Worten der Bibel zu leben, auch wenn sie sich nicht immer einig waren, wie diese Worte letztendlich auszulegen waren.
  So geht es uns bis heute: auch wir ringen immer wieder miteinander, was die Worte der Bibel uns für unser Leben,  unseren Glauben, unsere Kirche und unsere Welt zu sagen haben.
 So hören wir an dieser Stelle auf die Worte der Schrift. Und wir nehmen uns nach der Lesung einen Moment Zeit, damit die Worte aus der Bibel in uns nachklingen können.

Wir hören auf die Seligpreisungen Jesu. Jesus sagte darin, dass nicht nur der etwas wert ist, der jung, schön und erfolgreich ist, sondern dass manchmal gerade diejenigen, die von vielen belächelt werden, etwas ganz Besonderes für unsere Welt beitragen.

Jesus sagt:

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit;
denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
denn ihrer ist das Himmelreich.            (Matth. 5, 3-10)

          Wie ist es bei uns heute?
          Wer hätte es heute nötig, von uns selig gepriesen zu werden?  
          Wir denken darüber nach - in der Stille.
 
                          Stille

Lied:     EG 667, 1-4    Selig seid ihr

Moderation

 

Moderation (Sigrid Frederiksen, Lesepult)

Was ist eigentlich evangelisch?  

Für Martin Luther war dies damals vor allem die Erfahrung der Gnade. Denn er lebte in der ständigen Angst, Gott nicht genügen zu können.
  Diese Angst ist heute zum Glück weitestgehend verflogen.
Doch kennen wir eine andere Angst, die für viele Menschen genauso schlimm ist. Die Angst, vor anderen Menschen nicht genügen zu können. Diese Angst treibt sie dazu, immer etwas leisten zu müssen, um sich oder anderen zu beweisen, dass sie etwas wert sind.                   .

 
(Leises Gitarrenspiel / Triangel, dazu mehrere Stimmen aus dem Hintergrund)

     Und du machst! Und du tust! Und du rennst!
     Und du glaubst! Und du hoffst! Und du liebst!

Und es reicht nicht!

     Und du bemühst dich! Du empörst dich! Und verlierst dich!

Und es reicht nicht!

     Vom Altar aus:  Lass los. (Gitarre lauter / Triangel)

    Und du schaffst. Und du meinst. Und du denkst.

Und es reicht nicht!

     Und du nimmst deine ganze Kraft und verschenkst dich.

Und es reicht nicht!

   (Kurze Zeit der Stille ohne Gitarre, dann Gitarre und danach:)

    Vom Altar aus:      Lass los.
                                 Denn du lebst: aus Gnade.
                                 Du bist gut genug: aus Gnade.
                                 Du bist frei: aus Gnade.
                                 Frei und geliebt. Weil es dich gibt.
                                (Gitarre und Triangel)

    Da ist Stolz. Da ist Mut. Da ist Kraft.

Und es reicht nicht.   

     Und gute Taten. Und gute Worte. Und alles Geld der Welt.

Und es reicht nicht.

   (Kurze Zeit der Stille ohne Gitarre, dann Gitarre und danach:)

    Vom Altar aus:  Lass los.
                             Denn du lebst: aus Gnade.
                             Du bist gut genug: aus Gnade.
                             Du bist frei: aus Gnade.
                             Frei und geliebt. Weil es dich gibt.
                            (Girarre und Triangel)

(Text in Anlehnung an Klaus-Andre Eickhoff: Hier stehe ich - Ich könnte auch anders)

Moderatorin (Sigrid Frederiksen, Lesepult):

Was ist evangelisch?
 Evangelisch zu sein, heißt, aus der Gnade zu leben, auch in unserer oft unbarmherzigen Leistungsgesellschaft. Dabei können wir uns diese Gnade weder erarbeiten noch kaufen. Aber wir können sie uns schenken lassen: von Gott. Und wir können sie einander schenken: in Gottes Namen.

Wir singen: Geh unter der Gnade.
    
Lied:        0116, 1-3 Geh unter der Gnade
   
Moderatorin (Sigrid Frederiksen, Lesepult):

Was ist evangelisch? Für Martin Luther hieß das, frei zu sein. Frei von Bevormundung in religiösen Fragen. Dabei legte Martin Luther mit seinem Kampf für die Gewissensfreiheit und die persönlichen Verantwortung damals die Grundpfeiler für unsere heutige moderne Welt.

Doch wie ist das mit der Freiheit? Macht sie uns nicht auch immer wieder Angst? Wir hören auf ein Gespräch zweier Nonnen, die sich in der Reformationszeit fragen, was sie tun sollen.

(Zwei Nonnen treten auf, die eine wendet sich an die andere (Heidi Haug, Monika Schneider)):

Nonne

Was meinst du? Sollen wir aus dem Kloster fliehen?

    Aber was erwartet uns dort draußen?
    Eine fremde Welt voller Gefahren.

Du willst also hier bleiben?

    Ja! Hier sind wir sicher.
    Wir haben genug zu Essen. Und wir haben uns.
    Wer weiß, wie es da draußen ist?

Und doch fehlt uns etwas: die Freiheit.
Gott hat uns nicht nur dazu geschaffen, um zu essen, zu schlafen und zu arbeiten.
Er hat uns Freiheit geschenkt.
Die Freiheit selbst zu entscheiden.
Die Freiheit, vielleicht auch einmal Fehler zu machen.
Aber dann sind es unsere Fehler, aus denen wir lernen können.

    Und du meinst, das ist das Risiko wert?

Ja. Denn ohne diese Freiheit kann ich nicht leben.
Hier drin ersticke ich auf Dauer.

    Also gut. Wir fliehen. Aber nur gemeinsam.

Nonne
Frei zu sein, heißt, sich entscheiden zu können. Doch manchmal ist es gar nicht so einfach, sich zu entscheiden, weil wir oft nicht wissen, was für ein Rattenschwanz an unseren Entscheidungen hängt.
 Und doch müssen wir uns entscheiden. Und eben darin finden wir als Menschen unsere Größe. Dass wir Verantwortung übernehmen, auch für unsere Fehler.

Nur so sind wir frei, etwas aus uns selbst heraus zu geben. Und das ist die schönste Freiheit. Anderen etwas zu schenken, ohne Zwang, aus freier Wahl. Diese Freiheit möchten wir nun nutzen, um Ihnen etwas schenken. Dabei haben sie die Wahl. Sie können entweder von dem einen Teller etwas nehmen, oder von dem anderen.

Verschiedene Teller mit Schokolade und mit Weintrauben und Käse werden gereicht. Alle, die den Gottesdienst mitfeiern, dürfen sich entweder von dem einen oder dem anderen etwas nehmen. Dazu Klavierspiel.
    
Wer seine Freiheit dazu nutzt, sich aus allem herauszuhalten, sich also weder für das eine noch für das andere zu entscheiden, der lebt an seinem Leben vorbei. Denn die Freiheit findet ihre Erfüllung dort, wo wir sie auch gebrauchen. Dabei ist eine der  schönsten Formen seine Freiheit zu gebrauchen, sich in Liebe an jemanden zu binden. So hören wir nun auf Worte aus einem Liebesbrief:

(Eine Frau kommt mit einer Jacke und einer Tasche in den Raum. Sie legt beides ab und setzt sich an einen Tisch. Dort holt sie aus der Tasche einen Brief hervor, öffnet ihn mit einem Brieföffner. Während sie still löst, beginnt eine Stimme aus dem Off zu sprechen)

Der Liebesbrief

Liebe Inge
 Ich schreibe dir diese Zeilen mit zitternder Hand. Denn ich lege dir mit diesen Worten mein Herz zu Füßen. Dabei hoffe ich, dass du diese Worte mit freundlichen Augen ansiehst und sie nicht einfach wegwirfst. Auch wenn ich das vielleicht nicht verdient habe.  
 Ich war immer so stolz darauf, unabhängig zu sein. Und so bin ich öfter einfach an dir vorbeigelaufen, auch wenn ich deine Blicke gespürt  habe. Trotzdem bin ich nicht auf dich zugegangen. Ich wollte ja meinen eigenen Weg gehen.
 Doch seitdem ich dich näher kennen gelernt habe, will ich das nicht mehr. Ich will nicht mehr jeden Abend meine Freiheit genießen und mit meinen Freunden ausgehen. Ich will nur noch eines: nämlich dich. Wenn du da bist, schlägt mein Herz schneller. Wenn du da bist, erscheint mir die Welt in einem helleren Licht. Wenn du da bist, habe ich das Gefühl, bei mir selbst angekommen zu sein, obwohl ich gerade dabei bin mich vollständig zu verlieren.
  Darum lege ich dir meine Welt zu Füßen. Und hoffe, du nimmst sie an. Du würdest mich damit glücklich machen. So glücklich, wie ich es noch nie zuvor in meinem Leben gewesen bin.
  Schreib´ mir und sag´ mir, ob es dir ähnlich geht.
    Dein Rudolf

Martin Luther schrieb:

    „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge
    und niemand untertan.
    Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge
    und jedermann untertan."

    Nur, wenn wir unsere Freiheit auch benutzen,
    bekommt unser Leben Tiefe und Kraft.

Lied:   EG 648, 1-3 Ins Wasser fällt ein Stein

Was ist evangelisch? Vieles haben Sie gehört und gesehen. Und wir könnten Ihnen noch viel mehr zeigen. Doch das wäre nicht evangelisch. Schließlich sind wir nach Martin Luther alle dazu berufen, uns in der Kirche einzubringen.
 Und so sind an dieser Stelle nur Sie eingeladen - ihre Ideen aufzuschreiben, was Evangelisch-sein ausmacht.  Dabei können sie ganz Verschiedenes  auf die Zettel schreiben.
 Sie können schreiben, was uns als Evangelische von anderen unterscheidet. Zum Beispiel dass wir das Abendmahl mit Brot und Wein feiern oder dass auch Frauen Pfarrerinnen in unserer Kirche sein können.
 Und Sie können schreiben, was für sie von innen her das evangelisch sein ausmacht: ein Glaube, der sich in der Bibel gründet, die Gnade, die uns von Gott her zugesprochen wird, die Freiheit ... und vieles andere mehr.
 Dabei sammeln wir Ihre Wortmeldungen nach einer gewissen Zeit wieder ein und lesen einige davon vor. Alle Zettel hängen wir anschließend an diese Pinwand, so dass Sie nach dem Gottesdienst nach vorne kommen können und sich alle Wortmeldungen ansehen können. Und nun: Herzliche Einladung zum Schreiben.

Körbchen mit Zetteln und Stiften werden ausgegeben. Auf den Zetteln steht als Überschrift: Was ist für mich evangelisch? Dazu Musik.

Wir hören: Was ist evangelisch (3 Personen lesen je 3 Zettel vor)

 

Wand mit Zetteln

 

Zettel

Evangelisch ist ...

... frei zu entscheiden, mich zu Gott zu bekennen

... Verantwortung .... immer wieder neu entscheiden und in Freiheit leben ....

... Gottes Wort steht im Mittelpunkt

Die Predigten sind oft sehr aussagekräftig. Das Abendmahl in unserer Form. Gleichheit von Frauen- und Männerämtern.

Evangelische Pfarrer dürfen heiraten und eine Familie gründen. Pfarrerinnen können in unserer Kirche die Taufe und das Abendmahl geben. Wir haben keinen Vorgesetzten, wie einen Papst.

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau vorzuleben und zu verteidigen mit Gottes Gnade für alle, die guten Willens sind.

... mich in allem in meinem Leben zuerst an den Worten Jesu und am Handeln von Jesus zu orientieren.

... zu glauben, ohne Bedingungen und Verpflichtungen und auf Gott zu vertrauen, ohne Angst zu haben, dass man etwas Falsches macht und Gott einem nicht vergibt. Evangelisch sein heißt für mich, zu vergeben und zu vertrauen.

... Der direkte Draht zu Gott, als Christ ohne Papst.

... evangelisch ist für mich ein gleichwertiges Miteinander in Gottes Liebe

... Gnade und Liebe - darin sind wir sogar dem Islam nahe. jeder Moslem stellt seinem Gebet die erste Sure voran: "Im Namen Gottes, des gnädigen und barmherzigen"

... evangelisch sein heißt für mich: Glaube an Gott aus tiefem Herzen, mit all´ seinen Taten, jedoch ohne Mühsal und Zwang

... aus der Gnade zu leben, denn wir sind gut genug

... Freiheit, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit

... Evangelisch bedeutet für mich an einen gnädigen und gütigen Gott voller Liebe für seine Menschenkinder glauben zu dürfen.

...


Lied :         069, 1-3 Suchen und Fragen       

Lasst uns miteinander und füreinander beten. Dabei bitte ich Sie, die einzelnen Fürbitten mit einem „Herr, erhöre uns" abzuschließen.

Barmherziger Gott
Unsere evangelische Kirche gründet sich in der Bibel. Hilf uns, dass wir die Worte der Bibel ernst nehmen, ohne aus ihnen einen papiernen Papst zu machen. Lass deine Worte in uns lebendig werden und schenke uns den Geist der Liebe, der aus ihnen spricht. Wir rufen zu dir:

                    Herr, erhöre uns.

Barmherziger Gott,
Lass uns durch die Bibel einen Zugang zu Jesus Christus finden, der den Menschen zu allen Zeiten Mut geschenkt hat. Der zeigte, dass das Leben mehr ist, als nur zu Essen und zu Trinken und dass unsere Welt nicht verloren ist, sondern auf Erlösung wartet. Der selbst sein Leben gab und der von Gott ein neues Leben geschenkt bekam, uns zur Hoffnung und zum Heil. Wir rufen zu dir:

                    Herr, erhöre uns.

Barmherzige Gott,
Stärke in uns den Glauben, so dass wir in dieser oft undurchschaubaren Welt einen Halt finden. Dass wir nicht umher geweht werden, wie lose Blätter im Wind, sondern in dir verwurzelt sind und daraus Kraft schöpfen für ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden. Wir rufen zu dir:


                    Herr, erhöre uns.

Barmherziger Gott,
wir bitten dich um deine Gnade, in dieser oft ungnädigen Welt. Um deine Gnade für uns selbst, dort, wo wir mit uns hadern und unzufrieden sind. Wo wir uns klein fühlen und uns verstecken, oder uns aufplustern, ohne dass etwas dahinter steckt.
Und wir bitten um deine Gnade für unsere Welt, dass wir diese Gnade miteinander teilen und sie groß werden lassen unter allen Menschen. Wir rufen zu dir:    

                    Herr, erhöre uns.
 
Barmherziger Gott,
Auf vier Grundpfeiler baute Martin Luther unsere evangelische Kirche auf. Auf die Schrift. Auf Jesus aus Nazareth. Auf den Glauben. Und auf die Gnade. Hilf unserer Gemeinde und unserer evangelischen Kirche, diese Pfeiler ohne falsche Furcht vor den Menschen lebendig in die Zukunft zu tragen. Dir zur Ehre und uns Menschen zum Segen. Wir rufen zu dir:    

                    Herr, erhöre uns.

Wir beten weiter, miteinander und füreinander in der Still    

            Stilles Gebet

Und wir schließen unsere Gebete ein in das Gebet Jesu Christi:

            Vater unser im Himmel
            geheiligt werde dein Name
            Dein Reich komme
            Dein Wille geschehe
            wie im Himmel, so auf Erden.
            Unser tägliches Brot gib uns heute.
            Und vergib uns unsere Schuld,
            wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
            Und führe uns nicht in Versuchung,
            sondern erlöse uns von dem Bösen.
            Denn dein ist das Reich
            und die Kraft
            und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.
            Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied:        EG 581, 1-3    Segne uns o Herr (Orgel)

Abkündigung    Dank an alle
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            Einladen zum Gottesdienst am Dienstag in Luther

Liebe Gemeindegeht nun in diesen Tag und in die kommende Zeit mit Gottes Segen

Der Herr segne euch und behüte euch.
 Er mache euer Herz mutig und halte euren Verstand wach.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch.
 Er schenke euch seine Gnade, damit ihr aus dem Hamsterrad des immer mehr aussteigen könnt und ihr das Leben neu entdeckt.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
 und schenke euch und dieser Welt Frieden.

    Gemeinde: Amen, Amen, Amen
    Ausgangsmusik:    Orgel

Lutherrose