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Woher kommt

das Weihnachtsfest?  

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Wann genau ist das Weihnachtsfest entstanden?

So ganz genau kann das keiner sagen. Es gehört aber auf jeden Fall mit zu den ersten Festen der frühen Christenheit, auch wenn es vermutlich nicht ganz so alt ist, wie das Osterfest. Erste Belege für das Fest gibt es im 4. Jahrhundert aus Rom, auch wenn vieles dafür spricht, dass das Fest selbst schon viel älter ist.

Was spricht dafür, dass Weihnachten schon früher gefeiert wurde?

Dafür sprechen allein schon die ausführlich erzählten Weihnachtsgeschichten im Matthäus- und Lukasevangelium, die aus dem 1. Jahrhundert nach Christus stammen. Sie zeigen, dass schon sehr früh Christinnen und Christen an der Geburt´s-Geschichte von Jesus großen Anteil nahmen.

Stimmt es, dass Jesus gar nicht am 24. Dezember geboren wurde?

Das genaue Datum der Geburt von Jesus ist tatsächlich unbekannt. Zur Zeit der Geburt Jesu gab es noch keine Buchhaltung so wie heute - und auch die Angaben der Bibel sind an dieser Stelle nicht eindeutig. Sie beschreiben mit ihren Aussagen (Regierungszeit von Kaiser Augustus, Quirinius als Statthalter in Syrien,...) eher ein Zeitfenster, als ein exaktes Datum. So geht die Forschung heute davon aus, dass Jesus vermutlich zwischen dem Jahr 4 vor Christus und 6 nach Christus geboren wurde. 

Warum wird Weihnachten dann am 24. Dezember gefeiert?

Manche sagen, das hängt damit zusammen, dass dieser Termin (der 24. Dezember) früher einmal der Termin eines heidnischen Festes zur Sonnenwendfeier war. Die Christinnen und Christen hätten diesen Termin dann übernommen, um dieses heidnische Fest zu verdrängen und zugleich auch aus symbolischen Gründen, weil aus ihrer Sicht mit der Geburt Jesu das Licht Gottes in die Welt kam. Diese Theorie war die  Lieblingstheorie des 19. und 20. Jahrhunderts, mit der erklärt wurde, warum Weihnachten gerade mitten im Winter gefeiert wurde.

Doch die heutige Forschung sieht diese Theorie mittlerweile mit vielen Fragezeichen. So wurde das Fest der unbesiegten Sonne erst im Jahr 274 durch den römischen Kaiser Aurelian eingeführt. Schon ein Jahr später endete seine Regierunszeit wieder. Wie lange dieses Fest im römischen Reich wirklich gefeiert wurde - und ob es tatsächlich auch auf dem 24/25 Dezember fiel, ist heute heftig umstritten, da es für dieses Fest unterschiedliche Termine gab, an denen es gefeiert wurde. Von daher spricht einiges dafür, dass hinter dem Festtermin von Weihnachten eher eine alte christliche Tradition steckt. Wobei die Festlegung des Termins nie ganz eindeutig war.

Warum stammen so viele Weihnachtsbräuche hier aus Deutschland?

Auch das hat nichts mit irgendwelchen alten heidnischen Bräuchen aus der Zeit der Germanen zu tun, wie es zum Beispiel die Zeugen Jehovas behaupten, die Weihnachten darum auch nicht feiern. Dass es so viele Weihnachtsbräuche gibt, die hier in Deutschland entstanden sind, hängt vielmehr mit Martin Luther und unserer evangelischen Kirche zusammen.

Warum denn das?

Im Mittelalter gab es viele Feste von Heiligen. Denken Sie an das Martinsfest oder das Nikolausfest. Diese Heiligenfeste verdrängten damals oft die christlichen Hauptfeste wie Weihnachten, auch weil damals viele Bräuche (wie z.B. die Martins-Gans, oder die Geschenke zu Nikolaus) mit diesen Festen verbunden waren. Durch die Reformation wurden nun diese Feste für die Heiligen abgeschafft. Dafür rückten in der evang. Kirche die Feste wie Weihnachten, Pfingsten oder Ostern wieder stärker in den Mittelpunkt. Martin Luther hat diese Entwicklung damals mit unterstützt. So dichtete er z.B. viele Lieder für Ostern oder Weihnachten (wie z.B. das Lied "Vom Himmel hoch, da komm ich her"), oder er setzte sich damals auch dafür ein, dass es Geschenke zum Weihnachtsfest gab - und nicht zum Nikolaus. 

Von daher ist es kein Wunder, dass gerade in den evangelisch geprägten Gebieten sich die Menschen mehr Gedanken darüber machten, wie sie Weihnachten feiern wollten. Dabei haben sich im Laufe der Zeit eigene Festtraditionen ausgebildet, die sich nach und nach über die ganze Welt ausgebreitet haben. So ist der Weihnachtsbaum und der Adventskranz heute fast überall auf der Welt zu finden. Auf der anderen Seite gibt es aber auch in vielen anderen Ländern ganz eigenständige Weihnachtstraditionen, die nur hier bei uns oft nicht so bekannt sind.      

Und was ist nun die Bedeutung von Weihnachten?

Es ist schwer, Weihnachten in einem Satz auf den Punkt zu bringen. Aber es geht in diesem Fest darum, dass wir Menschen nicht an uns selbst verloren sind, sondern dass Gott zu uns kommt; und zwar als einer von uns. Gott wird ein Mensch unter Menschen. Er ist jemand, der uns versteht.

Dabei ist sich der große Gott nicht zu schade, sich ganz klein zu machen. Er kommt zu uns als Kind in einem Stall, nicht als großer, mächtiger Herrscher. Und er pflückt sich auch nicht nur die schönen Seiten vom Leben heraus, das Lachen und die Freude, sondern er nimmt auch das Leiden und den Tod auf sich. Durch diese Nähe Gottes verändert sich etwas bei uns Menschen. Wir werden erlöst. Erlöst aus der Einsamkeit, in der wir manchmal leben; erlöst aus der Hoffnungslosigkeit, in die wir uns manchmal sinken lassen, erlöst aus der Friedlosigkeit, in die wir hilflos flüchten, weil wir meinen, Gewalt sei die einzige Lösung. Je länger wir Menschen an uns selbst verloren leben, desto mehr meinen wir, es müsste so sein. Aber durch Gottes Nähe verändert sich etwas. Neue Hoffnung bricht auf und auch eine neue Art zu leben, die viele Menschen mit Jesus verbinden. Diese Nähe Gottes, die mit der Geburt Jesu begann, feiern wir an Weihnachten.

Pfr. Paul Wassmer