Bonhoefferzentrum
Galerie
Galerie
Galerie

Woher kommt das Böse?

_______________________________________________________________________________

 

Woher kommt das Böse?

Keine Ahnung. Aber manchmal wüsste ich es auch ganz gerne.

Aber es muss doch eine Antwort auf diese Frage geben!

In manchen Religionen gibt es eine Antwort: So gab es zum Beispiel bei den alten Griechen mehrere Götter, die sich gegenseitig bekämpften. Gut und Böse waren auf verschiedene Personen verteilt, so dass es auch immer jemand gab, der für das Böse verantwortlich war. In Asien gibt es die Vorstellung von Ying und Yang, Hell und Dunkel, die sich gegenseitig ergänzen und nur gemeinsam die Welt darstellen. Auch da gibt es eine Antwort in dem Sinn, dass dort, wo Licht ist, es auch Dunkelheit geben muss (als eine Art "innerer Ausgleich" sozusagen). Und im Buddhismus ist es z.B. so, dass die ganze Welt schlecht und böse ist. Dort besteht das Ziel des Lebens darin, dieser Welt möglichst zu entfliehen. Auch da gibt es eine Antwort in dem Sinn, dass die Welt eben böse ist und man dagegen auch nichts machen kann.

Und wie ist das im Christentum?

Im Christentum glauben wir nur an einen Gott. Gut und Böse lassen sich so nicht auf verschiedene Personen aufteilen. Da ist kein Platz für einen zweiten dunklen Gegengott. Gott ist dabei im christlichen Glauben der Schöpfer und Erhalter dieser Welt. Er hat diese Welt gut gemacht (vgl. I. Buch Mose 1,1ff). Von daher können wir das Böse auch nicht einfach auf die Welt schieben.

Trotzdem ist das Böse da. Was sagt die Bibel dazu?

In der Bibel wird das Böse nicht geleugnet, sondern offen beim Namen genannt. Das fängt schon ganz am Anfang bei Adam und Eva an, die Gottes Regeln im Paradies übertreten und führt weiter über deren Sohn Kain, der seinen Bruder Abel erschlägt. Menschen machen böse Dinge. Diese Erfahrung zieht sich wie eine rote Linie durch die Bibel und durch die Jahrhunderte.

Aber warum tun Menschen das? Gibt es nicht vielleicht doch so 

  etwas wie eine Kraft des Bösen, die uns Menschen dazu treibt, 

  Böses zu tun?

Viele Menschen, die etwas Böses getan haben, erzählen hinterher, dass sie in diesem Moment nicht richtig wussten, warum sie es eigentlich getan haben. Genauergesagt, sie wussten es eigentlich besser, haben es aber trotzdem getan und stehen dann vor einem inneren Rätsel. "Da war etwas stärker als ich selbst!", so sagen manche. "Da hat mich etwas verführt, das Falsche zu tun, obwohl ich es doch eigentlich besser hätte wissen müssen." Eine solche Erfahrung von einem Überwältigtsein von Auen verbinden viele Menschen mit dem Glauben an eine Art von personifiziertem Bösen.

Kommt ein solcher Teufel, eine personifizierte Macht des Bösen,

  auch in der Bibel vor?

In der Bibel taucht der Teufel an manchen Stellen auf. Ein anderer Name ist Satan. Nach der Bibel ist dieser Satan ein Engel, der sich gegen Gott gestellt hat (vgl. Hiob 1,6, Sach. 3,1). Doch ist der Teufel lange nicht so mächtig wie Gott. Er stammt, salopp ausgedrückt, eher aus der unteren Ebene im großen Universum Gottes. Auch kommt der Teufel in der Bibel nur an sehr wenigen Stellen vor. Er hat also im christlichen Glauben eine eher geringe Bedeutung. Wir glauben auch nicht an den Teufel, sondern an Gott.

Was bedeutet das? 

Dies bedeutet zum Beispiel, dass wir nicht in ständiger Angst vor dem Teufel und vor der Hölle leben müssen, so wie es viele Menschen noch während der Zeit des Mittelalters getan haben. Umgekehrt bedeutet es aber auch, dass wir als Menschen selbst für das verantwortlich sind, was wir tun. Wir können, wenn wir ganz am Ende vor Gott stehen und Rechenschaft über unser Leben ablegen, das Böse - selbst wenn es einen Teufel gibt - nicht einfach auf den Teufel abschieben und ihn als Ausrede vor Gott benützen.

Was geschieht aber dann mit dem Bösen, wenn wir ganz am Ende

  unseres Lebens vor Gott stehen?

In der Bibel gibt es im ersten Korintherbrief eine Stelle, in der der Apostel Paulus beschreibt, dass ganz am Ende beim letzten Gericht wir Menschen wie durch ein Feuer hindurch gehen und dass dabei alles Böse verbrennt, wir Menschen aber, unsere Person, also das, was uns ausmacht, gerettet wird (I. Kor. 3, 12-15).

Manche Menschen haben aus dieser Bibelstelle die Vorstellung von einem Fegefeuer abgeleitet, in dem wir Menschen für das Böse in unserem Leben leiden müssen. Aber eigentlich geht es in dieser Bibelstelle nicht darum, die Menschen zu bestrafen, sondern das Böse loszuwerden, während die Menschen gerettet werden. Das heißt, ganz am Ende wird das Böse nicht mehr sein. Dies ist ein tröstlicher Gedanke, für alle, die Opfer von etwas Bösem geworden sind, aber auch für alle, die etwas Böses getan haben. Ganz am Ende bei Gott wird dieses Böse nicht mehr sein.

Aber woher kommt das Böse dann, wenn es am Ende keinen

  Bestand hat?

Die Bibel lässt diese Frage letztendlich offen. Wie gesagt, es gibt Andeutungen, Hinweise, auf eine Art von dunkler Gegen-Macht. Doch sie steht nicht im Zentrum unseres Glaubens. Letztendlich bleibt es in unserem Glauben ein Rätsel, woher das Böse kommt. Das Böse hat zumindest keine Entsprechung und keinen Ursprung in Gott. Es entsteht eher dort, wo Gott nicht ist und ist von daher  ein Teil dessen, dass von Gott her gesehen wir Menschen frei sind.

Bleiben wir Menschen dann mit dem Bösen allein?

Nein. In der Bibel ist zwar keine Antwort auf die Frage zu finden, woher das Böse kommt, dafür aber eine Antwort auf die viel wichtigere Frage: Woher kommt das Gute? Und wie können wir es schaffen, das Böse zu überwinden? Die ganze Bibel erzählt von der Antwort auf diese beiden Fragen. Auch die Weihnachtsgeschichte erzählt daovn. So heißt es in der Weihnachtsgeschichte, dass Gott als kleines Kind in die Welt kommt und die Menschen durch seine Nähe neue Hoffnung und neuen Mut bekamen. Er kam zu den Armen, den Hirten, den Entrechteten, wie zu den Reichen, den Königen und Weisen aus dem Morgenland.  Und sie alle veränderten sich, nahmen etwas von der Hoffnung und dem Licht auf, das sie in dem Kind fanden. Und auch später, als Jesus erwachsen war, gab er dieses Licht weiter: er lebte die Vergebung, die Kraft, Böses nicht aufzurechnen, sondern zu verzeihen. Er lebte vor, wie es geht, das Böse mit dem Gutem zu überwinden, ohne selbst ein Teil des Bösen zu werden. Viele Menschen erfuhren so Heil und Erlösung. Und am Ende trug er das Böse, das übrigblieb. Er nahm es auf seine Schultern, um seinen Freunden das Leben zu retten. So ist Gott, sagt die Bibel.  Er hilft uns, dass wir dem Bösen etwas Eigenständiges entgegenhalten und so das Leben finden. Ein Leben, das bleibt, während das Böse vergeht.

Das heißt: Man bekommt im Glauben nicht auf alle Fragen eine

  Antwort?

Das stimmt. Manche Fragen bleiben offen. Man darf sie fragen, nur wird man dabei immer wieder an die eigenen Grenzen stoen. Umgekehrt kann man dabei aber auch lernen, dass es andere Fragen gibt, die viel spannender sind, wie zum Beispiel die Frage: Woher kommt das Gute?

Dabei gibt es im Leben und auch im Kirchenjahr immer wieder Zeiten, in denen uns diese Fragen besonders nahe kommen. So lädt uns die Weihnachtszeit ganz besonders ein, auf diese Frage mit unserem Leben eine Antwort zu geben. Viele Menschen spüren das ganz instinktiv. Sie sind sensibler, offener in dieser Zeit. Man denkt mehr an andere Menschen und das ist gut so. Viele Menschen spüren in dieser Zeit das Unrecht in der Welt stärker, auch das gehört dazu. Ebenso wie die Hoffnung, dass am Ende nicht das Unrecht siegt, sondern das Licht stärker ist als die Dunkelheit. Jede Kerze, die wir in der Adventszeit anzünden, erzählt von dieser Hoffnung. Wie auch die vielen Menschen, die gerade in dieser Zeit etwas für andere tun. So können wir alle ein Teil der Antwort sein, wie das geht, das Böse mit dem Guten zu überwinden.

                                                                                                                          Pfr. Paul Wassmer