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Was feiern wir an Pfingsten?

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Pfingstgeschichte:

"... Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf jeden von ihnen. Und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Zungen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen...." 

                                                                                                    (Apostelgeschichte, Kapitel 2, 1-4)

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Das Pfingstfest kommt nach Ostern, so viel ist klar.  Aber was 

  feiern wir eigentlich an Pfingsten?

Pfingsten hängt ganz eng mit Ostern zusammen. Das stimmt. Und doch hat mit Pfingsten etwas Neues angefangen. Darum gehört es auch als eigenständiges Fest zu den drei großen Festen des Christentums: Weihnachten - Ostern - und eben Pfingsten.

Und was ist nun an Pfingsten passiert?

Die Freunde von Jesus standen nach der Kreuzigung von Jesus alle mehr oder weniger noch unter einem Schock. Sie hatten ihre ganzen Hoffnung auf Jesus gesetzt und dann hatten die Römer ihn einfach umgebracht. Viele der Freunde und Anhänger Jesu waren nach diesem Erlebnis traumatisiert. Sie hatten sich irgendwo verkrochen, waren traurig und voller Angst. Und auch als einige erzählten, sie hätten Jesus gesehen, blieb die Furcht  trotzdem. Sie lie sich nicht so einfach vertreiben, sondern hatte sich tief in ihren Herzen festgesetzt.

Und dann? 

Dann kam Pfingsten und alles wurde anders. Pfingsten ist so zur Geburtstunde der Kirche geworden. Denn an Pfingsten hat sich alles gedreht: die Furcht und die Trauer waren wie weggeblasen, dafür spürten die Menschen plötzlich wieder Hoffnung und Freude in sich. Es war wie ein neuer Geist, der sie erfüllte. Und mit diesem Geist trauten sie sich plötzlich alles Mögliche zu.

Was ist da denn genau passiert?

Alles begann in Jerusalem, fünfzig Tage nach Ostern. Dort wurde das jüdische Wochenfest gefeiert - ein Erntefest. Viele Freunde und Anhänger von Jesus hatten sich zu diesem Fest in Jerusalem in einem Haus versammelt. Und dort wurden sie, wie es in der Bibel heißt, vom heiligen Geist erfüllt.

Wie kann man sich das vorstellen?

Das war eher eine wilde Sache. Man kann es vielleicht damit vergleichen, wenn jemand eine Nacht durchtanzt oder solange Sport treibt, bis er das Gefühl hat, zu schweben. Die Bibel erzählt von einem Brausen, das das ganze Haus erfüllt hat. Kurzum, es ging in dem Haus hoch her.

Was hatte es mit den Zungen aus Feuern auf sich, von denen die

  Bibel erzählt?

In der Bibel wird an dieser Stelle eine poetische, bildhafte Sprache benutzt, um zu beschreiben, was dann geschah. Zungen, wie aus Flammen, dazu Menschen, die wie wild in allen möglichen Sprachen sprechen, so dass man es kaum verstehen kann. Dies alles erinnert an etwas, das auch heute noch in manchen charismatischen Gemeinden gelebt wird. Die genaue Bezeichnung dafür heißt "Zungenrede". Es tritt bei manchen Menschen auf, die ekstatisch auer sich sind und dann, ohne es selbst kontrollieren zu können, verschiedene, meist unverständliche Laute von sich geben. Für Auenstehende hören sich diese Laute manchmal wie Worte aus den unterschiedlichsten Sprachen an. Eine solche Zungenrede gibt es in vielen Religionen. Bei den ersten Christinnen und Christen war sie nach dem Pfingsterlebnis ein Teil des Gottesdienstes: ein Reden oder Beten in Ekstase, in unverständlichen Lauten.

Warum reden die meisten Christinnen und Christen heute denn

  nicht mehr in Zungen?

Weil ein solches Zungenreden zwar im Moment für den betroffenen Menschen durchaus etwas Spektakuläres und Besonderes sein kann, aber für die Menschen auen herum auf Dauer eher ermüdend ist. Auch gab es damals schon bald Menschen, die sich mit ihrer Zungenrede vor anderen aufspielten und meinten, nur wer Zungenreden konnte, sei ein richtiger Christ. Dagegen machten schon bald andere, wie zum Beispiel der Apostel Paulus deutlich, dass es neben der Zungenrede noch viele andere Gaben des Geistes gibt, die zwar stiller wirken, die aber genauso wichtig,  wenn nicht sogar wichtiger sind. Viele Christinnen und Christen sahen dies wohl ähnlich, denn die Zungenrede spielte in den christlichen Gottesdiensten nach und nach eine immer geringere Rolle, bis sie schlielich wieder verschwand.

An Pfingsten hat die Zungenrede und die Ekstase aber eine große

  Rolle gespielt?

Ja, das kann man so sagen. Die Menschen erlebten damals, sie sind ja gar nicht allein und verlassen, sondern miteinander und untereinander verbunden, durch einen Geist. Und sie spürten, dass in diesem Geist, der sie unsichtbar verband, gleichzeitig ganz viel von Jesus lebendig war. So wurden sie aus der Trauer und der Angst herausgeholt. Sie öffneten sich neu dem Leben und entdeckten dabei viele neue Gaben, die in ihnen schlummerten. Die Zungenrede war nur eine davon. Anderen zu helfen und beizustehen, anstatt sich in sich selbst zu vergraben, war eine andere. Andere trauten sich plötzlich, in der Öffentlichkeit zu Reden. Und wieder andere entdeckten in sich die Gabe, andere zu unterrichten oder zu heilen. Plötzlich trauten sich die Menschen etwas zu, auch ohne dass Jesus dabei war. Sie spürten in sich eine Kraft, die nicht aus ihnen selbst kam, sondern von auen und die sie mit Jesus verband. Diese Kraft nannten die den heiligen Geist.

Gibt es einen solchen Geist Gottes auch im Alten Testament?

Ja. Auch dort ist der Geist Gottes zu finden. Das hebräische Wort für "Geist" bedeutet "Wind", "Atem", "Kraft". Ganz am Anfang der Bibel, in der Geschichte von der Erschaffung der Welt und vom Paradies, wird erzählt, wie Gott seinen "Atem" dem ersten Menschen einbläst und ihm so sein Leben schenkt. Etwas von Gottes Leben, von seinem Geist, lebt nach dieser Geschichte in jedem von uns Menschen. Dieser Geist Gottes erfüllt nach den Vorstellungen des Alten Testaments die ganze Welt. Er ist überall in dieser Welt und manchmal berührt er die Menschen in besonderer Weise und schenkt ihnen Kraft und Hoffnung. Das Wort "heilig" drückt dabei aus, dass dieser Geist ganz eng zu Gott gehört.

Und was feiern wir nun heute an Pfingsten?

Wir feiern den Geist Gottes, der uns mit Gott und mit Jesus verbindet, der uns Hoffnung schenkt und der unsere Herzen für die Liebe und die Wahrheit öffnet. Und wir feiern, dass Gott mit seinem Geist nicht nur die Menschen damals erfüllt hat, sondern auch uns hier und heute begeistert und uns hilft, unsere Gaben zu entdecken und füreinander zu leben.

                                                                                                                           Pfr. Paul Wassmer