Bonhoefferzentrum
Galerie
Galerie
Galerie

 

Warum gibt es Religionen?

_______________________________________________________________________________

 

Was ist eine Religion?

Auf diese Frage gibt es keine einheitliche Antwort. Für uns Christinnen und Christen heißt es, an Gott zu glauben, der Himmel und Erde erschaffen hat, der uns Menschen auch in unseren Schwächen trägt, der uns aber auch immer wieder in diese Welt hinausschickt, um mitzuhelfen, sie heil zu machen. Andere Religionen, wie zum Beispiel der Buddhismus, würden diese Frage ganz anders beantworten.

Warum gibt es so viele unterschiedliche Religionen?

Martin Luther sagte, dass jeder Mensch glaubt. Für ihn war die spannende Frage: An was? Glauben wir an die Naturwissenschaft oder an die Macht der Sterne? Glauben wir an das Schicksal oder dass alles nur Zufall ist? Der Glaube kann viele ganz unterschiedliche Formen annehmen. Jede Religion ist dabei ein Versuch, die großen Fragen nach dem Woher und Wohin und dem Sinn des Lebens von einer Quelle her zu beantworten.

Gibt es Menschen, die besonders religiös sind?

Fast jede Religion hat eine Gründerfigur, deren Erfahrungen die Menschen so wertvoll fanden, dass sie diese an andere weitergeben wollten. Im Judentum sind zum Beispiel Abraham und Mose wichtig, für uns Christinnen und Christen steht Jesus im Mittelpunkt unseres Glaubens und im Islam ist es Mohammed. Oft spielen dabei auch besondere Erlebnisse mit Gott eine Rolle, manchmal, wie z.B. bei Martin Luther, kann es aber auch ein handfester Streit sein, aus dem am Ende eine eigene Religion hervorgeht.

Das heißt, Religionen geben Erfahrungen weiter?

Ja. Sie versuchen es zumindest. Doch damit dies klappt, braucht es eine Gemeinschaft, die dabei mithilft. Denn alleine funktioniert das auf Dauer nicht. Auch braucht es immer mehrere, um sich über den eigenen Glauben auszutauschen und sich darüber zu verständigen, was diesen Glauben ausmacht. Eine Religion ist also kein unnötiger Ballast, sondern die notwendige Form, um religiöse Erfahrungen und Wahrheiten über längere Zeit zu bewahren.

Welche Erfahrungen gibt die evang. Religion weiter?

Das kann ganz unterschiedlich sein. Aber von Martin Luther her wäre zum Beispiel der Duft der Freiheit zu nennen. Gegen alle Ängste und Sorgen kämpfte er sich immer wieder zu dieser Freiheit durch, die er versuchte, auch an andere weiterzugeben. Auch die Liebe zur Bibel wäre zu nennen, wie auch ein Leben, das sich von Gottes Gnade getragen wei und daraus Kraft schöpft.

Was heißt es, religiös zu sein?

Das Wort "Religion" wird von manchen Forschern von dem lateinischen Wort "relegere" hergeleitet, das sich im Deutschen mit dem Wort "wiederauflesen" übersetzen lässt. Wer religiös ist, würde in diesem Sinn also etwas aufnehmen, das jemand anderes vor ihm hinterlassen hat. Andere Forscher führen das Wort "Religion" auf das lateinische Wort "religare" zurück, das sich im Deutschen mit den Wort "sich an etwas festmachen" übersetzen lässt. Wer religiös ist, würde sich in diesem Sinn also an etwas oder jemand binden. Er wäre nicht mehr allein, sondern beheimatet. In christlichen Bildern gesprochen könnte man auch sagen, er wäre verwurzelt in Gott oder hätte einen Anker im Himmel.

Gibt es etwas, das alle Religionen verbindet? 

Es gibt durchaus Verbindungen zwischen den verschiedenen Religionen. So glauben Juden, Christen und Muslime alle an den gleichen Gott, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Auch erzählen Judentum, Christentum wie der Islam die Geschichten von Abraham und Mose.
 Auf der anderen Seite gibt es aber auch Religionen, die keine solche Gemeinsamkeiten aufweisen. Trotzdem gibt es auch dort Berührungspunkte, wie zum Beispiel in der Ethik. So findet sich zum Beispiel die goldene Regel, in der es heißt: "Alles was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!" (Matth. 7,12) sowohl im Judentum, im Islam, wie auch im Buddhismus oder im Hinduismus.

Worauf sollte man bei seiner eigenen Religion achten?

Jeder glaubt ein klein wenig anders. Darum ist für mich die Toleranz das oberste Gebot. Wer einmal damit angefangen hat nach dem zu Suchen, worauf er in seinem Innersten vertrauen kann, der wei, dass jede Wahrheit die wir in diesem Bereich finden, wie ein Schatz ist. Darum gilt es, den eigenen Glauben wertzuschätzen, wie auch den Glauben anderer.

Was ich auch wichtig finde, ist nicht zu schnell beleidigt zu sein oder aufzugeben. Ich höre immer wieder, dass Leute sagen, sie glauben nicht mehr, weil sie einmal enttäuscht oder verletzt wurden. Woher kommt eine so extreme Reaktion? Ich kenne niemanden, der nur, weil er einmal mit Worten enttäuscht wurde, gleich das Sprechen aufgehört hätte. Oder weil er einmal Liebeskummer hatte, sich für den Rest seines Lebens das Verlieben verboten hätte. Sicher, es gibt Verletzungen, auch und gerade in Glaubensfragen. Und meist haben diese Verletzungen mit ganz konkreten Menschen in ganz konkreten Religionen zu tun. Aber das ist für mich kein Grund, gleich den ganzen Glauben in Grund und Boden zu stampfen. Gerade, wenn wir verletzt wurden, spüren wir doch, dass es da etwas in uns gibt, das uns heilig ist und das wir bewahren wollen. Darum tut es ja so weh, wenn es mit Füßen getreten wird.

Martin Luther hat vor 500 Jahren auf jeden Fall nicht so leicht aufgegeben. Er hat gekämpft. Gegen die eigenen Ängste. Und die Ängste, die andere ihm gemacht haben. Er ist hingestanden, selbst vor den Kaiser (wenn auch mit schlotternden Knien). Und er wählte den Weg der Argumente. Nicht Macht oder Gewalt soll in einer Religion darüber entscheiden, was wahr ist, sondern das bessere Argument. Von daher können wir auch nach 500 Jahren noch immer viel von Martin Luther lernen.

Pfr. Paul Wassmer

_______________________________________________________________________________

 

Der Mann, der immer nur sich selbst sah

Ein Mann war sehr gläubig. Er vertraute auf Gott und sprach: "Gott wird mich nicht im Stich lassen." Doch dann wurde er  krank. Da rief er: "Was soll ich noch an Gott festhalten, wenn er sich nicht um mich kümmert?" Und er legte seinen Glauben ab.

 Der Mann redete auch sehr gern. Aber eines Tages bekam er mit seiner Nachbarin Streit und sie wechselten im Streit viele böse Worte miteinander. "Was soll ich noch reden ...", fragte sich der Mann, als er später über den Streit nachdachte, "... wenn doch alle Worte immer nur in den Streit führen?" Und er beschloss, ab jetzt nicht mehr zu reden.

 Der Mann a auch gern. Leidenschaftliche Stunden verbrachte er hinter dem Herd, um sich zu verwöhnen. Doch dann kaufte er versehentlich ein Stück Fleisch, das verdorben war. Als er davon a, spuckte er es angewidert aus. "Was soll ich noch essen ...", sagte er zu sich, "... wenn das Essen doch so schlecht ist?"  Seit diesem Tag a er nichts mehr.

 Kurze Zeit darauf verstarb er, entkräftet und stumm. Obwohl er nicht an Gott glaubte, hatte Gott ein Einsehen mit ihm und lie den Mann zu sich rufen. "Was hast du dir dabei gedacht ...", fragte er den Mann, "... bei jeder kleinen Enttäuschung gleich aufzugeben?"  Doch der Mann sah Gott nur mit großen Augen an. "Dich gibt es ja wirklich ...", stammelte er. "Ja, und ich rede auch", erwiderte Gott. "Auch habe ich euch Menschen eine wunderschöne Welt geschenkt, mit unendlich vielen Möglichkeiten zum Leben. Warum hast du dieses Geschenk nicht angenommen?"
 Da senkte der Mann beschämt seinen Kopf. "Weil ich immer nur mich selbst sah ...", antwortete er traurig. "... und dich und die Welt darüber aus den Augen verlor."