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Gibt es Gott?

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Gibt es Gott?

Ich glaube ja.

Woher wissen Sie das?

Ich wei es nicht. Ich glaube es. Der Glaube ist auch die einzige Möglichkeit, sich Gott anzunähern. Schlielich kann niemand sicher sagen, ob es Gott gibt oder nicht.

Ist das nicht frustrierend?

Nein. Zumindest nicht für mich. Es gehört einfach zu Gott dazu.

Es ist so, als würde ein Mensch am Ufer des Meeres stehen und den Wellen zusehen. Bei allem, was auf den Wellen schwimmt, kann er noch recht sicher sagen: "Das ist eine Möwe!" oder "Das dort hinten ist ein Schiff!". Auch wenn einen die Augen manchmal auch täuschen können. Und doch gibt es, weit entfernt, eine Linie, den Horizont, hinter den er nicht blicken kann. Alles was sich hinter diesem Horizont befindet, entzieht sich unseren Augen. Trotzdem würde normalerweise kein Mensch auf den Gedanken kommen zu sagen, dass dort hinter dem Horizont nichts mehr ist, nur weil man es mit den Augen nicht mehr sehen kann.

Ganz ähnlich ist es auch mit Gott. Er wohnt gleichsam hinter dem Horizont unserer menschlichen Erkenntnis. Wir können ihn nicht sehen. Genausowenig wie wir ihn auf die gleiche Art begreifen können, wie wir vieles andere begreifen. Darum geht es bei Gott  letztlich immer um ein "glauben", und nie um ein "wissen".

Was lässt Sie an die Existenz Gottes glauben?

Ich glaube nicht blind. Ich denke, niemand macht das. Beim Glauben spielen daher immer auch Erfahrungen eine Rolle, ebenso wie manche Gedanken, die man sich im Laufe des eigenen Lebens macht. Ein Gedanke, der für mich dabei wichtig ist, hängt an der Frage: "Warum gibt es uns und unsere Welt überhaupt?" Denn meine Erfahrungen (und auch die  Naturwissenschaften) sagen mir: "Nichts kommt einfach aus dem Nichts!". Wenn man sich diesem Gedanken anschliet, dürfte es uns aber eigentlich gar nicht geben, genausowenig, wie es unser unendlich großes Universum nicht geben dürfte. Trotzdem sind wir da. Und das finde ich zutiefst erstaunlich.

Dieses Staunen ist die Wurzel meines Glaubens. Aus ihm heraus ist mein Glaube an Gott gewachsen. Aus dem Staunen über unsere Welt, über die Srahlen der Sonne, die mich in der Nase kitzeln, das Rascheln der Blätter im Wind oder auch die Fische im Meer... . Wenn ich all´ das betrachte kann ich immer wieder das Wunder erahnen, das unsere Welt und das Leben darstellen. Und aus dieser Ahnung kann wiederum ein Vertrauen wachsen, dass es eine Kraft gibt, die hinter diesem Wunder steckt und von der alles herkommt.

Woher kommt dieses Vertrauen noch?

Etwas von Gott und seiner Kraft spüre ich manchmal auch, wenn ich mit Gott rede. Beten ist eine der zentralen Erfahrungen mit Gott. Manchmal begegnet mir etwas von dieser Kraft auch in anderen Menschen. Das sind dann andere Momente in meinem Leben, die mir helfen, mein Vertrauen in Gottes Existenz zu begründen.

Wie stellen Sie sich Gott vor? 

Eine schwierige Frage. Als Kind habe ich mir Gott so vorgestellt, wie sich vermutlich viele Kinder Gott vorstellen: als einen alten Mann, mit langem, weien Bart, der auf einer Wolke sitzt. Dieses Bild drückt aus, dass Gott weise ist, ebenso, dass es ihn schon gab, lange bevor es mich selbst gegeben hat. Auch ein gewisser Abstand zu uns Menschen lässt sich aus diesem Bild ableiten. Wir Menschen sind hier auf der Erde, er, Gott, ist dort oben auf der Wolke. Doch dieses Bild von Gott zerbrach bei mir, als ich ungefähr 10 Jahre alt war. Instinktiv erkannte ich damals, dass Gott so nicht sein konnte.

Was kam dann? 

Erst einmal eine Zeit, in der ich mir Gott überhaupt nicht mehr vorstellen konnte. Es war eine Zeit, in der ich mehr Fragen als Antworten hatte. Doch dann kamen langsam neue, andere Bilder von Gott. Dass etwas von Gott in mir wohnt. Oder dass Gott eher so etwas ist, wie Licht, oder Energie. In der Bibel wird Gott zum Teil auch so beschrieben. Als Quelle und als Licht. Als Geist, der in uns wohnt, ebenso wie als Liebe. Meine Bilder von Gott schwanken dabei heute eher. Sie sind nicht mehr so fest wie in der Zeit, als ich ein Kind war. Aber es gibt sie, auch wenn ich heute wei, dass keines dieser Bilder Gott ganz beschreiben kann. Das Erstaunliche dabei aber ist, dass in vielen dieser Bilder Gott nicht irgendwo weit entfernt,  z.B. oben auf einer Wolke ist, sondern dass er oft nah bei mir ist. 

Welche Rolle spielt Jesus für Ihr Bild von Gott?

Eine ganz Entscheidende. Jesus glaubte an einen Gott, der voller Güte und Barmherzigkeit war. Ein Gott, zu dem man "Papa" sagen kann, so wie wir es bis heute im "Vater unser" tun. Gleichzeitig spürten die Menschen damals, dass etwas von Gott und seiner Kraft auch in Jesus spürbar war. Gott ist also nicht weit entfernt, sondern mitten unter den Menschen. Und nicht zuletzt: die Geschichte vom Tod Jesu zeigt für mich, auch wenn das jetzt vielleicht etwas vereinfacht klingt, dass Gott jemand ist, der eher das Leiden und in den Tod auf sich nimmt, als unbeteiligt daneben zu stehen, oder gar der Urheber des Bösen zu sein. Auch das ist für meinen Glauben ein ganz wesentlicher Punkt: wenn es mir schlecht geht, ist Gott nicht derjenige, der mir das Leiden oder den Schmerz geschickt hat, sondern Gott ist derjenige, der mir hilft, gegen dieses Leiden und das Böse anzukämpfen, und dies, ohne selbst ein Teil des Bösen zu werden.

Was ist mit den religiösen Fanatikern?

Menschen, die intolerant gegenüber anderen sind, die Hass und Gewalt predigen oder auch selbst leben, sind für mich Menschen, die an Gott vorbei leben. Sie glauben nicht an den Gott des Lebens, sondern an eine dunkle Macht des Todes. Sie bringen anderen Menschen auch kein Heil und kein Glück, sondern nur Angst und Schrecken. Ihr Glaube ist irgendwo auf dem Weg zu Gott an einer falschen Ecke abgebogen und hat sich in einer dunklen Spirale des Todes verfangen, in die sie auch andere versuchen hineinzuziehen.

Was ist das Wichtigste für Sie in Ihrem Glauben an Gott? 

Das Vertrauen. Mein Glaube hilft mir, zu vertrauen. Er hilft mir, zu lieben. Und: jeden Tag neu anzufangen. Wichtig ist dabei das Reden mit Gott. Ich mache das meist leise, nur in Gedanken. Aber in einem Gespräch zu stehen mit Gott, verankert mich. Wer ich selbst bin, das erfahre ich oft erst im Gegenüber zu einem Du. Und im Gegenüber zu Gott, dem großen "Du", bekommt das eigene Leben Kraft. Auf welche Weise jemand mit Gott spricht, ist dabei ziemlich egal. Klagen, Ängste, Zweifel haben hier genauso ihren Platz, wie Dank oder Lob. Aber wichtig ist es, im Gespräch zu bleiben, weil wir Menschen im Beten Gott und der Liebe, die ihn ihm wohnt, begegnen können.

                                                                                                                 Pfr. Paul Wassmer