Bonhoefferzentrum
Galerie
Galerie
Galerie

 Gibt es ein Leben nach dem Tod?

_______________________________________________________________________________ 

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

In vielen Religionen glauben Menschen an ein Leben nach dem Tod. Doch ist bei jeder Religion die Vorstellung, was nach dem Tod kommt, anders.

Welche Vorstellungen gibt es denn?

Nun ja, die Griechen zum Beispiel glaubten daran, dass die Menschen nach dem Tod in eine dunkle Unterwelt kommen, die durch einen Fluss, den Styx, von der Welt der Lebenden getrennt ist. Mit Hilfe des Fährmanns Charon konnten die Verstorbenen in diese Welt übersetzen. Charon, der Fährmann, sorgte - gemeinsam mit dem dreiköpfigen Höllenhund Kerberos - dafür, dass keiner der Verstorbenen die Totenwelt wieder verlassen konnte. Der Hades, so hie diese Unterwelt, war dabei eher eine Schattenwelt.  Das Leben dort hatte nicht die gleiche Kraft, wie das Leben in der Oberwelt. Auch gab es im Totenreich verschiedene Orte, wie das Elysion, die Insel der Seligen, eine Art von Paradies, oder auch den Tartaros, eine Art von Hölle, in der die Menschen ewige Qualen litten.

Welche Vorstellungen gibt es im Judentum?

Das Judentum ist eine starke Diesseits-Religion. Das Wichtigste im Judentum ist das Leben, das Gott uns Menschen geschenkt hat. Da dieses Leben von Gott kommt, ist es heilig. Es gut zu nutzen - im Einklang mit Gottes Geboten - ist darum auch das oberste Gebot im Judentum. Da der Tod den Menschen dieses Leben nimmt, wird er als große Katastrophe angesehen. Trotz dieser starken Diesseits-Orientierung im Judentum findet sich auch dort die Vorstellung eines Lebens nach dem Tod. Es gibt im Judentum eine Art von Schattenwelt, den Scheol. Doch wie im Glauben der alten Griechen ist das Leben in dieser Schattenwelt kein richtiges Leben. Daneben findet sich im Judentum aber auch noch eine andere Vorstellung eines Lebens nach dem Tod. Es ist eine Art von ewigem Leben bei Gott. Zur Zeit Jesu war im Judentum der Glaube an ein Leben nach dem Tod umstritten. Heute ist für viele Jüdinnen und Juden der Glaube an eine Auferstehung der Toten üblich.

Und wie sieht es im Christentum aus?

Im Christentum spielt der Glaube an die Auferstehung der Toten eine wichtige Rolle. Das ist auch kein Wunder. Schlielich war für die ersten Christinnen und Christen die Erfahrung, dass Jesus nach seinem Tod von ganz unterschiedlichen Menschen lebend gesehen wurde, ganz zentral. Ich wage darum einmal zu behaupten: ohne Auferstehung gäbe es das Christentum gar nicht.

Wie sieht dieses Lben nach dem Tod nach christlicher Vorstellung

   aus?

Es ist kein Leben in einer dunklen Schattenwelt, sondern ein Leben, das mit Licht und Kraft verbunden ist. Ein Leben zudem, in dem die Menschen einen eigenen Körper haben - also der ganze Leib aufersteht.

Was hat es dann mit der Seele auf sich?

Die Vorstellung einer unsichtbaren Seele, die in uns Menschen wohnt, stammt eher aus der griechischen Philosophie und hat sich vor allem in der katholischen Kirche stark verbreitet. Auch manche Berichte von Nahtod-Erfahrungen haben zu dieser Vorstellung beigetragen. In der Bibel ist sie jedoch so nicht zu finden, auch wenn es dort so etwas wie eine Art von Lebenskraft gibt, die in uns Menschen wohnt. Nach der Bibel jedoch stirbt auch diese Lebenskraft mit, wenn wir Menschen sterben. Der Tod wird in der Bibel also nicht verharmlost, als eine Art von sanftem Übergang von einem Leben in das andere, sondern behält seine grausame Realität. Das Christentum ist darin dem Judentum ganz nah: Das Leben ist etwas Heiliges, und der Tod ist der Feind, weil er dieses Leben wegnimmt.

 Wie stellt sich dann die Bibel die Auferstehung vor?

Eher wie eine Art von Neuschöpfung. So wie Gott am Anfang der Welt das ganze Universum erschaffen hat, so schafft Gott auch uns Menschen neu. Dabei vergisst Gott niemand. Im Buch der Offenbarung gibt es eine Stelle, in der vom Buch des Lebens erzählt wird. Alle Namen aller Menschen sind dort verzeichnet, so dass niemand verloren geht (Offb. 5). Doch wie genau diese Neuschöpfung abläuft, wird in der Bibel nicht beschrieben.

Ich selbst stelle es mir bei Gott ähnlich vor, wie bei uns Menschen. Wenn wir Menschen uns an jemand erinnern, den wir gern hatten, dann ist diese Person in uns ganz lebendig. Vielleicht ist es bei Gott ja genauso? So dass wir Menschen in ihm ganz lebendig werden, wenn er sich an uns erinnert. Und wer wei, wenn er an uns denkt, geht er vielleicht mit seiner Schöpferkraft einen Schritt weiter und schenkt uns so ein neues Leben?

 Wie sieht dieses neue Leben nach der Vorstellung der Bibel aus?

Es ist wirklich neu, in einem umfassenden Sinn. Es ist nicht mehr der gleiche Körper, auch wenn er an den alten Leib erinnert (I. Kor. 15,35ff). Und es ist auch nicht mehr der gleiche Geist, auch wenn wir selbstverständlich immer noch wir selbst sind. Doch auch hier hat es eine Veränderung gegeben.

 Welche Veränderung?

Das Gericht. Alles was Böse ist, wurde von uns getrennt. Das Gute aber und unsere Person, also das, was uns ausmacht, bleibt erhalten. So zumindest beschreibt es der Apostel Paulus im ersten Korintherbrief (I. Kor. 3, 13-15).

Gibt es auch so etwas wie eine ewige Verdammnis, eine Hölle?

Die Aussagen in der Bibel schwanken an dieser Stelle. So gibt es durchaus einige Gleichnisse, die in diese Richtung zu deuten sind.  (z.B. das Gleichnis vom armen Lazarus in Lk. 16, 19ff). Sie machen deutlich: das, was wir Menschen auf der Erde tun, hat Konsequenzen auch über diese Welt hinaus. Auf der anderen Seite gibt es auch das Gleichnis vom großen Weltgericht in Matth. 25. Dort wird erzählt, dass wir uns in diesem Gericht ganz am Ende aller Tage keiner kalten, anonymen Macht verantworten müssen, sondern dass wir dort auf Jesus als Richter treffen, der in seinem Leben für seine Gnade und Menschenliebe bekannt war. Diese Gnade kommt auch in dem Gleichnis zur Geltung. Eine gute Tat der Barmherzigkeit einem einzelnen Menschen gegenüber zählt dort, um im Gericht zu bestehen. Es gibt also in der Bibel einen starken Vorrang der Gnade. Auch wenn nicht ganz ausgeschlossen wird, dass sich manche Menschen durch ihr Verhalten aus diesem Bereich der Gnade selbst hinausbegeben.

 Und wie sieht der Himmel aus?

Auf jeden Fall nicht wie auf vielen Post karten, in denen kleine putzige Engel mit Harfen auf Wolken sitzen. In der Bibel wird der Ort, an dem wir Menschen nach dem Tod leben, eher mit einer Stadt verglichen, dem neuen Jerusalem (Offb. 21). In dieser Stadt wohnt Gott mitten unter den Menschen. Kein Leid wird dort mehr sein und Gott wird alle Tränen abwischen. An einer anderen Stelle  (I. Kor. 15, 25ff) beschreibt der Apostel Paulus eine Entwicklung, in dessen Verlauf Gott nach und nach alles besiegt, am Ende selbst den Tod. In dieser Entwicklung wird alles mit hineingezogen, die ganze Welt und auch Jesus, bis ganz am Ende schlielich Gott alles in allem ist. Das heißt, es gibt im Christentum auch so etwas wie die Vorstellung einer All-Versöhnung, in der am Ende wir Menschen und die ganze Welt ein Teil von Gott sind.

 Wie sollen wir Christinnen und Christen mit dem Leben und dem

   Tod umgehen?

Wir sollen uns am Leben freuen und es nützen. Denn es ist etwas Einzigartiges. Etwas Heiliges. Darum sollen wir auch alles tun, dieses Leben zu schützen. Das eigene Leben, wie das Leben anderer. Und was den Tod angeht: Er bleibt der große Feind. Er bleibt grausam, hart, eine Katastrophe mitten im Leben. Und doch ist ihm der letzte Stachel gezogen, wie der Apostel Paulus es beschreibt (I. Kor. 15,55). Denn nach der Bibel ist Gottes Kraft des Lebens am Ende größer als der Tod. Diese Botschaft hilf uns, uns mit unserem Leben der dunklen Macht des Todes entgegenzustellen, in der Hoffnung, dass bei Gott alles noch einmal ganz anders sein kann.

                                                                                                                         Pfr. Paul Wassmer