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Essen und Religion

Wie hängt beides zusammen?

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Welches Verhältnis hat das Christentum zum Essen?

Ein Positives. Im Christentum steht die Freude an der Schöpfung Gottes im Vordergrund, wie auch der Dank für alles, was Gott uns zum Leben schenkt. Das Erntedankfest, das wir jeden Herbst feiern, ist ein Zeichen für diese Freude und den Dank.

Wie sieht es mit dem Essen von Tieren aus?

In der Bibel wird erzählt, dass Menschen von Beginn der Schöpfung an Tiere aen. So war schon Abel, der Sohn von Adam und Eva, Schafzüchter. Die Kleintierzucht mit Schafen und Ziegen war in Israel jahrhundertelang weit verbreitet. Dabei war Fleisch in der Antike immer etwas Besonderes, das meist nur an Festtagen gegessen wurde. Darum wird der Fleischkonsum, ähnlich wie der Alkoholkonsum, in der Bibel meines Wissens auch nie richtig hinterfragt. Denn: Fleisch, ebenso wie Alkohol, waren immer nur in kleinen Mengen verfügbar.

Wie sieht das heute aus?

Heute gibt es Fleisch im Überfluss. Dieses Fleisch wird meist durch Massentierhaltung "hergestellt". Aus ethischer Sicht ist dies äuerst bedenklich. Denn die Massentierhaltung ist für die Tiere oft nicht artgerecht und zerstört die Umwelt. Auch schadet der hohe Fleischkonsum unserer Gesundheit. Von daher ist es aus vielen Gründen besser, den Fleischkonsum herunterzufahren. Medizinisch gesehen reicht es für uns Menschen aus, einmal in der Woche Fleisch zu essen, um mit allen wichtigen Stoffen versorgt zu werden. Dies gibt auch einer anderen Fleischproduktion, wie z.B. der biologischen Landwirtschaft, mehr Chancen.

Warum essen viele Menschen an Karfreitag Fisch?

In der katholischen Kirche war in der Zeit vor Ostern der Fleischkonsum verboten. Da Karfreitag ein Feiertag war - und Fisch nicht als Fleisch galt - hat sich die Tradition herausgebildet, an diesem Tag Fisch zu essen.

Wie ist das folgende Bibelzitag zu verstehen:

"Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich´s euch alles gegeben. Allein esset das Fleisch nicht mit seinem Blut, in dem sein Leben ist!" (I. Buch Mose, Kap. 9, 3-4)

Nach dem jüdischen Glauben ist das Blut der Sitz des Lebens. Aus Ehrfurcht vor dem Leben wird deshalb im Judentum das Blut nicht gegessen. Darum wird beim Schlachten darauf geachtet, dass sich kein Blut mehr im Fleisch befindet. Diese Art zu Schlachten wird "Schächten" genannt. Auch Muslime schlachten die Tiere auf diese Weise.

Im Christentum  dagegen wird das jüdische Gesetz freier ausgelegt. Dies betrifft vor allem die rituellen Gesetze, zu denen auch die jüdischen Speisevorschriften gehören (Wie z.B. auch das Gebot, Milch- und Fleischprodukte nicht auf einem Teller zu servieren.). Darum ist es im Christentum auch erlaubt, manche Tiere zu essen (wie z.B. Schweine), die für Juden und Muslime tabu sind.


Warum gelten manche Tieren in bestimmten Religionen als heilig?

Heilige Tiere gab es unter anderem bei den alten Ägyptern. In der Vorstellung der alten Ägypter nahmen die Götter eine Gestalt aus der Tierwelt an. So erschien der Gott Ptah in der Gestalt eines Stieres, oder die Göttin Bastet in der Gestalt einer Katze. Darum galten diese Tiere als heilig. Heute gibt es heilige Tiere unter anderem noch in Indien. Dort gelten Kühe, Elefanten, Ratten und Schlangen als heilig, weil sie indischen Göttern zugeordnet werden. Auch in der Bibel findet sich in der Geschichte vom Tanz um das goldene Kalb (II. Buch Mose, Kap. 32) ein Beispiel für eine religiöse Verehrung eines Tierbildes.  Doch wird in der Bibel diese Verehrung als Abfall von Gott angesehen. Denn Gott ist, nach christlich-jüdischer Vorstellung, in keinem "Bild" oder "Statue" eines Tieres zu finden.


Sollten Tiere die gleichen Rechte erhalten wie Menschen?

Eine spannende Frage, die sich manche Menschen stellen, die sich für mehr Tierrechte einsetzen. Trotzdem schiet diese Frage über ihr Ziel hinaus. Denn Tiere sind nach der Bibel zwar Lebewesen, die uns Menschen besonders nah sind (Manche von ihnen sind nach der Schöpfungsgeschichte sogar am gleichen Tag erschaffen. Von daher gehört ihnen auch mehr Achtung als in der heutigen Industriegesellschaft entgegengebracht, in der Tiere oft nicht als eigenständiges Wesen, sondern als Besitz betrachtet werden.). Trotzdem ist es schwierig, den Tiere die gleichen Rechte wie den Menschen zu geben. Dies würde ja z.B. bedeuten, dass man einen Vogel des Mordes anklagen müsste, wenn er einen Regenwurm frisst. Schlielich hat er absichtlich eines seiner Mitgeschöpfe getötet. Und eine Katze müsste man dann wegen besonderer Grausamkeit zu einer höheren Strafe verurteilen, weil sie vor dem Erlegen noch mit ihrer Beute gespielt hat. Diese Beispiele machen die Unterschiede  deutlich, die zwischen den Tieren und uns Menschen bestehen.

Sollte man aus religiösen Gründen kein Fleisch essen?

Manchen Menschen machen aus dem Essen tatsächlich eine Art von Religion. Bei ihnen hat das Essen etwas mit "Heil" und "Erlösung" zu tun. Wenn ich kein Fleisch esse, bin ich "gerechtfertigt" und vor "Gott" oder meinem "Gewissen" rein. Wenn ich dagegen Fleisch esse, bin ich ein "Sünder" und den "dunklen Mächten" ausgeliefert. Wie hier etwas so Profanes wie das Essen religiös aufgeladen wird, ist schon eine spannende Sache.
  Insgesamt gibt es einen Trend in unserer Gesellschaft zu einer absoluten Ethik. Bei einer solchen Ethik ist Perfektion das oberste Ziel. Als würden wir in einer Computerwelt leben, in der es nur ein "Ja" oder "Nein" gibt. Das reale Leben verläuft aber nicht so einseitig. Darum finden sich dort auch immer Kompromisse und auch so manches "Jein". Schlielich heißt Ethik nichts anderes, als immer wieder neu abzuwägen. Dies betrifft auch den Fleischkonsum. Ich selbst bin dabei eher jemand, der versucht, mit weniger Fleisch zu leben. Andere finden es dagegen gut, auf Fleisch ganz zu verzichten. Aber ein solcher Fleischverzicht sollte nicht zur "Religion" werden.

Wie hängen Essen und Heil zusammen?

Jedes Lebensmittel ist ein Mittel zum Leben und trägt daher auch so etwas wie Heil in sich. Auf der anderen Seite sagt uns die reformatorische Erkenntnis, dass wir uns mit unserem eigenen Handeln, also mit dem was wir tun - und dazu gehört auch das, was wir essen - kein Heil bei Gott erarbeiten können (Auch wenn wir Menschen immer in Gefahr sind, aus ethischen Fragen Heilsfragen zu machen).
 
Heil von Gott bekommen wir nur im Glauben. Dabei spielt im Glauben das Essen und Trinken durchaus eine Rolle - wie beim Abendmahl, in dem wir in - mit - und unter Brot und Wein die Nähe Gottes feiern. Brot und Wein sind dabei Symbole für die Gegenwart Gottes, durch die unser Glaube Nahrung erhält.  
 
                                                                                                         Pfr. Paul Wassmer